DINANT. Aber weshalb sollten diese alten von Efeu und Brombeeren umrankten Bahnen auch nicht genutzt werden, wenn sie schon mal da sind!? Das Abendessen war formidabel, die Dämmerung des letzten, dritten Abends dieser fantastischen Südbelgien-Ausfahrt senkte sich über die grünen Landschaften mit ihren schroffen Felsen; friedlich lag das Castel mit seinem Park inmitten, wo der verwitterte Parcours spontan aus seinem Dornröschenschlummer geputtet wurde. Zwei Schläger, zwei Bälle, sechs Teilnehmer, ein „Hole-in-One“ der überaus treuen Beetflüsterin Gudrun Nagel aus Welliehausen (mit Ehemann Andreas) und die Hamelner Kröger-Schwestern Tanja und Kerstin, zum zweiten Mal hier auf Tour, schließlich auf dem Treppchen ganz oben – vielleicht nur eine Nuance im Rahmen dieser Reise, aber eben auch Ausdruck von fast familiärem Flair unter den 40 Teilnehmern.
Der Park des Hotels mit seinem alten Baumbestand – Riesenmammutbaum, Nordamerikanische Zitroneneiche, Tulpenbaum, Kaukasische Flügelnuss und viele mehr – war Zugabe zum fein austarierten Ausflugsprogramm, das mal eben noch spontan mit einem Kurzbesuch der Maas-Perle Dinant und einem Pommes-Fest an einer typisch wallonischen Friterie ergänzt wurde, die wohl den umsatzstärksten Tag ihrer Geschichte verbucht haben dürfte. Dass nicht alles perfekt sein kann auf so einer Exkursion, nun, das sollte klar sein, und so hatte sich mancher den Besuch des Erdbeermuseums samt Jardin des petits fruits (Garten der kleinen Früchte) in Wépion nahe Namur vermutlich spektakulärer vorgestellt. Andererseits: Die große Gemeinschaft der Beetflüsterer aus dem Weserbergland schaut selten nach Sensationen, sondern begibt sich lieber auf die Fährte von Arten, Sorten, Pflanzkombinationen und reicher Fülle, ob nun beim Durchstreifen eines Arboretums, eines Schlossparks oder beim Entdeckungsflanieren zwischen Stauden und Sommerblumen. Gab‘s alles. Schon siebenmal zuvor, seit 2018 – und auch bei dieser achten, wieder ausgebuchten Garten- und Genuss-Reise.
„Ich kann das nicht fassen! Das machen die beiden hier ganz alleine? Glaube ich niemals.“ – Edeltraud Baum aus Holtensen, mit Freundin Gesine Toepsch unterwegs, kam aus dem Staunen nicht heraus, als sie nach reichlicher Erkundung des Jardin La Clé du Temps, etwas groggy von der Fülle dieses Zaubergartens im Dörfchen On, im Schatten Kühlung fand. Anderen, ob nun Regina Kruse mit Tochter Vanessa Bicknell aus Groß Berkel, Henriette Büthe mit Tochter Julia aus Bückeburg, Brigitte Nitsche mit Freundin Inge Hölzel aus Holtensen oder Gerlinde Kreutzberger mit Andreas Bartsch aus Bad Pyrmont, der seit 2018 kaum eine Beetgeflüster-Reise ausgelassen hat, ging‘s ähnlich. Und doch: Geneviève und Alain, Schöpfer des Zeiten-Gartens, beide so zauberhaft wie ihr Paradies selbst, „beackern“ die zehntausend Quadratmeter ohne weitere Helfer!
Keiner, dem dieses faszinierende Eden auf Erden mit seinen feinen Schwüngen, überaus versierten Pflanzenkompositionen und kunstvollen Einschüben nicht in die Seele tröpfelte wie Sommerregen auf Blumen nach langer Trockenheit. „Ich kann‘s nicht fassen, es ist unglaublich. Für den eigenen Garten muss man sich fast ein bisschen schämen“, so Friederike Telle, mit Ehemann Ulrich hier unterwegs. Wenn man sich vor Augen hält, wie schön Telles Garten in Groß Berkel ist, weiß man dieses Lob erst recht einzuordnen.
Vermutlich war der Jardin La Clé du Temps der Höhepunkt dieser Tour. Obgleich schon am ersten Tag mit den Sammlungen an tropischen und fleischfressenden Exoten sowie Kakteen in den Gewächshäusern im Botanischen Garten in Lüttich ein erstes Glanzlicht erstrahlte. Zwar mit ein bisschen Verspätung, weil so ein 14 Meter langer Bus nicht durch jede kleine Gasse passt, aber letztlich lenkte Fahrer Wolfgang Schulte den Boliden der Firma Knipschild, die für den DEWEZET-Kooperationspartner BTS-Reisen Gas gibt, mit einer Ruhe durch den wimmeligen Großstadtverkehr, die sich auf alle Insassen übertrug. Ganz entspannt schlenderten sie dann Richtung der Gewächshäuser im viktorianischen Stil, wo unter Glas fast 5000 Pflanzen ein Zuhause haben, Christiane Rieke-Kahle aus Hastenbeck aber noch an einem anderen Anblick ihre helle Freude hatte: ein Stillleben aus Hunderten von Pflanztöpfen. „Das ist wie ein Kunstwerk!“
Wie ein Zuhause das Hotel Castel de Pont-à-Lesse, zwar nur über eine Straße zu erreichen, die nicht breiter als zwei Doppelbetten ist, aber kein Problem für Chauffeur Schulte. Hier, im Grünen, bei gutem Essen am Abend mit wallonischen Bieren und erlesenem Wein sowie reich gespicktem Frühstücksbuffet, tauschten alle Teilnehmer ihre Tageserfahrungen aus. Wozu nicht nur die schönen Landschaften rund um Maas und Dinant gehörten, sondern auch die Gärten des Bambussees (Jardins du Lac de Bambois) in Fosses-la-Ville, wo Regenschirme im Himmel hängen und Bananenstauden fünf Meter hoch sind. Ebenso ein Höhepunkt: Schloss Modave (Château de Modave), weniger der grünen Anlagen ringsumher wegen, sondern aufgrund seiner Räume. Stuck an den Decken, edle Möbel, feine Wandteppiche, Schlafzimmer, in denen man doch gerne einmal, ein einziges Mal nur, übernachten möchte – und eine Terrasse, die 60 Meter über dem Tal des Hoyoux schwebt. Kein Skywalk ist schöner.
Die Maas, die mächtigen Burgruinen, die Felsen, die bunten Saxofone Dinants (hier wurde Musikinstrumentenerfinder Adolphe Sax geboren) und Wälder, Dörfer, Landschaften voller Poesie: All diese Eindrücke schummelten sich zusätzlich zu den sechs Zielgärten ins fröhliche Gemüt der DEWEZET-Leserreisenden, die zum Abschluss die „kleinste Stadt der Welt“ besuchten: Durbuy. „Dieser Ort ist wunderschön, wir verzichten darauf, den Topiary-Garten zu besichtigen. Kennen wir ja schon“, sagten nicht wenige, die ihn vor zwei Jahren, als das Beetgeflüster hier schon mal anlandete, bereits entdeckt hatten – Rita Giesler aus Hastenbeck und Rica Spiegel-Sprenger (eine ganz treue „Beetflüsterin“!) aus Bad Pyrmont zum Beispiel. Das soll den Wert des Parks, in dem Eiben und Buchs unter anderem zu Manneken Pis und Pamela Anderson geformt wurden, nicht schmälern. Aber das Schloss, das Städtchen, die Gässchen … dem Charme Durbuys zu widerstehen, ist kaum möglich.
Was bleibt? Erinnerungen, die wie Goldstaub in der Seele schweben. Und ein Vorausblick auf das nächste Jahr: Dann führt das Beetgeflüster auf Goethes Spur nach Weimar. Ziel also klar, Termin noch nicht. Wobei: „Sie können mir auch die sechs schönsten Telefonzellen zeigen, ist mir egal, das Beetgeflüster macht immer Spaß, egal, wohin die Tagesausflüge führen“, sagte ein Mitreisender. Mal schauen, ob es noch sechs gibt in Weimar.